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Ultraschall in der Notfallmedizin: Trauma, Schock, Dyspnoe und Reanimation

Ultraschall in der Notfallmedizin ist vor allem eine symptom- und problemorientierte Anwendung. Statt ein Organ vollständig nach einem elektiven Standardprotokoll zu untersuchen, wird eine akut relevante klinische Frage unmittelbar am Patienten beantwortet: Liegt freie Flüssigkeit vor? Gibt es Hinweise auf Pneumothorax oder Pleuraerguss? Wie erscheinen Herz und Lunge bei Schock oder Dyspnoe? Ist die abdominale Aorta erweitert? Ist eine tiefe Beinvene komprimierbar? Kann eine Punktion sicherer bildgeführt werden?

Diese Arbeitsweise überschneidet sich stark mit Point-of-Care-Ultraschall (POCUS). Notfallsonographie ist jedoch der klinische Einsatzbereich; POCUS beschreibt die fokussierte Ultraschallmethode am Ort der Versorgung. Je nach Patient und Fragestellung können in der Notaufnahme zusätzlich umfassende Organ-, Gefäß- oder Echokardiographieuntersuchungen erforderlich sein.

Der wichtigste Grundsatz lautet: Notfallultraschall ergänzt Anamnese, klinische Untersuchung, Monitoring, Labor und andere Bildgebung – er ersetzt sie nicht automatisch. Ein negativer fokussierter Scan schließt nur das aus, was mit dem verwendeten Protokoll, ausreichender Bildqualität und für die konkrete Fragestellung zuverlässig beurteilt werden konnte.

Inhalt

Was ist Notfallsonographie?

Die DEGUM definiert die Stufe-I-Notfallsonographie als qualifizierte sonographische Bildgebung mit strukturierter Integration in den Behandlungsablauf bei häufigen klinischen oder präklinischen Notfällen, sofern eine sinnvolle notfallsonographische Fragestellung besteht.

Damit ist Notfallultraschall keine Sammlung isolierter Einzelbilder. Der Befund muss unmittelbar mit der klinischen Situation verknüpft werden. Dieselbe sonographische Beobachtung kann abhängig von Leitsymptom und Gesamtkontext eine andere Bedeutung haben.

Typische Einsatzorte sind:

  • Notaufnahme,
  • Schockraum,
  • Intensivstation,
  • Reanimationssituation,
  • präklinische Notfallmedizin,
  • Akutstationen und andere Bereiche mit zeitkritischen Entscheidungen.

Der Überblick über alle klinischen Ultraschallbereiche steht unter Ultraschall-Anwendungen.

Notfallsonographie vs. POCUS: Ist das dasselbe?

Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht vollständig identisch.

BegriffSchwerpunkt
Notfallsonographieklinischer Einsatz von Ultraschall bei akuten beziehungsweise zeitkritischen Fragestellungen
POCUSfokussierte Ultraschalluntersuchung am Ort der Versorgung durch den behandelnden Kliniker
formale Sonographieumfassendere organ- oder fachgebietsspezifische Untersuchung nach definiertem Untersuchungsstandard

Viele notfallmedizinische Untersuchungen sind POCUS. In einer Notaufnahme können aber beispielsweise auch vollständige Gefäßduplex-, Abdominal- oder Echokardiographieuntersuchungen stattfinden. Umgekehrt wird POCUS auch außerhalb der Notfallmedizin eingesetzt.

Die methodische Abgrenzung steht unter Was ist POCUS? und POCUS vs. formale Sonographie.

Warum ist Notfallsonographie leitsymptomorientiert?

Die aktuelle DEGUM-Zertifizierung zeigt die Struktur besonders deutlich. Für Stufe I werden dokumentierte Fälle aus fünf Gruppen gefordert:

  • akute Dyspnoe,
  • Hypotonie beziehungsweise Schock,
  • Trauma,
  • akutes Abdomen,
  • weitere Notfallfragen wie Thrombose, Frakturen oder Punktionen.

Das ist fachlich sinnvoll, weil sich kritisch kranke Patienten nicht immer bereits bei Aufnahme einer gesicherten Organdiagnose zuordnen lassen. Die Ultraschallstrategie beginnt deshalb häufig mit dem klinischen Problem und kombiniert mehrere Organsysteme.

Die Society of Critical Care Medicine (SCCM) behandelt in ihrem 2024 aktualisierten und 2025 publizierten CCUS-Update ebenfalls mehrere klinische Szenarien: Herzstillstand, septischen Schock, akute Dyspnoe beziehungsweise respiratorisches Versagen, gezieltes Volumenmanagement und kardiogenen Schock.

Trauma: Was untersucht FAST beziehungsweise eFAST?

FAST steht für Focused Assessment with Sonography in Trauma. eFAST erweitert die Untersuchung um thorakale Fenster.

Das ACEP-Sonoguide beschreibt als Hauptziele:

  • freie Flüssigkeit im Peritonealraum,
  • Perikarderguss beziehungsweise Flüssigkeit im Perikardraum im Traumakontext,
  • Pleuraflüssigkeit beziehungsweise Hämothorax im geeigneten Kontext,
  • Pneumothoraxzeichen.

FAST untersucht definierte potenzielle Flüssigkeitsräume und ist gerade deshalb schnell: Es ist keine vollständige sonographische Untersuchung aller Bauchorgane.

Ein negativer FAST-/eFAST-Befund schließt Verletzungen nicht vollständig aus. Retroperitoneale Blutungen, Organverletzungen ohne ausreichende freie Flüssigkeit, Darmverletzungen und andere traumatische Befunde können übersehen werden. Bildqualität, Zeitpunkt und Kreislaufsituation beeinflussen die Sensitivität.

Die fokussierte Traumaanwendung wird unter FAST und eFAST vertieft.

Hypotonie und Schock: Warum Multi-Organ-Ultraschall sinnvoll ist

Bei unklarer Hypotonie kann ein einzelnes Organ die Ursache häufig nicht erklären. Fokussierte Protokolle kombinieren deshalb Herz, Lunge, Abdomen, Aorta und ausgewählte Gefäße.

ACEP beschreibt mit dem RUSH-Konzept beispielhaft eine strukturierte Untersuchung aus Herz, Vena cava inferior, FAST-Regionen, Aorta und Lunge. Solche Protokolle sind klinische Ordnungsmodelle – keine automatische Diagnosesoftware.

Die aktuelle SCCM-Leitlinie schlägt Critical-Care-Ultraschall bei septischem Schock und kardiogenem Schock sowie für gezieltes Volumenmanagement vor. Die Evidenzqualität wird dabei jedoch als niedrig beziehungsweise sehr niedrig eingestuft und die Empfehlungen sind konditional.

Deshalb sollte ein Schockscan mehrere Informationen integrieren:

  • globale Herzfunktion und auffällige Kammerdimensionen,
  • Perikard,
  • Lungenmuster und Pleura,
  • freie abdominale Flüssigkeit,
  • abdominale Aorta bei passender Fragestellung,
  • venöse beziehungsweise hämodynamische Zusatzinformationen,
  • Verlauf nach klinisch begründeten Maßnahmen.

Kein einzelner sonographischer Parameter sollte als direkter „Volumenmesser“ verstanden werden. Beatmung, Herzfunktion, venöser Druck, Körperlage und weitere Faktoren verändern hämodynamische Ultraschallzeichen.

Die fokussierte Akutseite steht unter POCUS in Notaufnahme und Schockraum.

Akute Dyspnoe: Herz und Lunge gemeinsam betrachten

Akute Atemnot kann kardiale, pulmonale, vaskuläre oder gemischte Ursachen haben. Deshalb ist die Kombination von Lungen- und fokussierter Herzsonographie häufig informativer als die isolierte Betrachtung eines einzigen Befunds.

Die SCCM-Leitlinie 2025 schlägt CCUS zur diagnostischen Unterstützung und Steuerung bei akuter Dyspnoe beziehungsweise respiratorischem Versagen vor; auch hier ist die Evidenzqualität niedrig.

Notfallsonographisch können unter anderem beurteilt werden:

  • Pleuralinie und Lung Sliding,
  • B-Linien-Muster,
  • Pleuraergüsse,
  • pleuranahe Konsolidierungen,
  • fokussierte links- und rechtsventrikuläre Auffälligkeiten,
  • Perikarderguss,
  • gegebenenfalls tiefe Beinvenen bei passender Thromboembolie-Fragestellung.

B-Linien beweisen kein kardiales Lungenödem. Fehlendes Lung Sliding beweist ebenfalls keinen Pneumothorax. Verteilung, Begleitbefunde und klinischer Kontext sind entscheidend.

Die breitere thorakale Anwendung steht unter Lungenultraschall und Thoraxsonographie.

Fokussierter Herzultraschall im Notfall

Fokussierter kardialer Ultraschall kann bei kritisch Kranken rasch globale und auffällige kardiale Befunde erfassen. ACEP nennt als typische Indikationen unter anderem Trauma, Hypotonie, vermutete Rechtsherzbelastung, akute Herzinsuffizienz, Synkope, Herzstillstand, Thoraxschmerz und Dyspnoe.

Typische fokussierte Fragen betreffen:

  • deutlich eingeschränkte oder hyperdynamische globale Ventrikelfunktion,
  • grobe Größenverhältnisse von rechtem und linkem Ventrikel,
  • Perikarderguss und mögliche hämodynamische Auswirkungen,
  • ausgeprägte Volumen- oder Druckbelastungsmuster,
  • grobe Klappen- oder Aortenauffälligkeiten, soweit im fokussierten Scope erkennbar.

Diese Untersuchung ist nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Echokardiographie. Klappenquantifizierung, diastolische Funktion, standardisierte Kammermessungen und komplexe strukturelle Befunde benötigen bei entsprechender Fragestellung eine umfassendere Untersuchung.

Die vollständige Methode wird unter Echokardiographie behandelt.

Welche Rolle darf Ultraschall während der Reanimation spielen?

Während einer Reanimation ist Ultraschall besonders zeitkritisch. Die Resuscitation Council UK Guidelines 2025 formulieren dafür klare Grenzen:

  • Intra-Arrest-POCUS sollte nur von geübten Anwendern eingesetzt werden.
  • Ultraschall darf keine zusätzlichen oder verlängerten Unterbrechungen der Thoraxkompression verursachen.
  • POCUS kann Hinweise auf behandelbare Ursachen wie Herzbeuteltamponade oder Spannungspneumothorax liefern.
  • Eine isolierte Rechtsventrikeldilatation während Herzstillstand darf nicht als Beweis einer Lungenembolie verwendet werden.
  • Myokardkontraktilität darf nicht als alleiniger Grund für das Beenden einer Reanimation verwendet werden.

Die SCCM-Leitlinie 2025 ist hier ebenfalls zurückhaltend: Für Herzstillstand reichte die Evidenz nicht aus, um CCUS gegenüber Standardversorgung eindeutig zu bevorzugen. Das unterscheidet Reanimationsultraschall von den konditional positiven Empfehlungen bei septischem Schock, Dyspnoe oder kardiogenem Schock.

Die Details stehen unter POCUS bei Reanimation und Intensivmedizin.

Lungenultraschall im Notfall

Lungenultraschall ist in der Akutmedizin besonders geeignet, weil Pleura und Lungenoberfläche schnell an mehreren Thoraxzonen untersucht werden können.

  • Pneumothoraxzeichen,
  • Pleuraerguss,
  • B-Linien-Verteilung,
  • pleuranahe Konsolidierungen,
  • dynamische Veränderungen im Verlauf.

Die Einschränkungen bleiben dieselben wie außerhalb der Notaufnahme: zentrale Pneumonien ohne Pleurakontakt können unsichtbar bleiben, B-Linien sind unspezifisch und fehlendes Sliding hat mehrere mögliche Ursachen.

Die fokussierte Methode steht unter POCUS-Lungenultraschall.

Akutes Abdomen: Was kann Notfallultraschall leisten?

Beim akuten Abdomen hängt die sonographische Strategie vom Leitsymptom ab. Notfallultraschall kann beispielsweise auf freie Flüssigkeit, Gallenblasen- und Gallenwegsbefunde, Harnstau, abdominale Aorta und ausgewählte Darmbefunde fokussieren.

Eine fokussierte Untersuchung ersetzt keine vollständige Abdomensonographie und insbesondere keine CT, wenn die klinische Frage eine umfassende Beurteilung von Organverletzungen, Retroperitoneum, Darm oder anderen schwer zugänglichen Strukturen erfordert.

Die umfassende Organuntersuchung steht unter Abdomensonographie.

Abdominale Aorta: Warum sie bei Schock, Bauch- oder Rückenschmerz wichtig sein kann

Die abdominale Aorta ist ein klassisches fokussiertes Ultraschallziel in der Notaufnahme. ACEP nennt unter anderem Synkope, Schock, Hypotonie, Bauch-, Flanken- oder Rückenschmerz als mögliche klinische Kontexte für eine fokussierte Aortenuntersuchung.

Die sonographische Kernfrage ist häufig, ob eine relevante Aortenerweiterung vorliegt. Ultraschall kann das Gefäßkaliber sehr gut darstellen, sofern die Aorta ausreichend einsehbar ist.

Die Ruptur eines Aneurysmas lässt sich durch Ultraschall jedoch nicht zuverlässig allein bestätigen oder ausschließen. Bei passender klinischer Situation können CT-Angiographie beziehungsweise unmittelbare gefäßchirurgische Entscheidungswege erforderlich sein.

Tiefe Venenthrombose: fokussierte Kompressionssonographie

Bei ausgewählten Patienten mit Verdacht auf tiefe Venenthrombose kann eine fokussierte Kompressionssonographie eingesetzt werden. ACEP nennt Beinschwellung beziehungsweise -schmerz sowie eine mögliche Lungenembolie mit begleitender DVT als typische Indikationen.

Das zentrale Prinzip ist die Kompressibilität definierter tiefer Venenabschnitte. Eine eingeschränkte oder fehlende Kompressibilität kann einen Thrombus anzeigen.

Fokussierte Mehrpunktprotokolle sind jedoch nicht identisch mit einer vollständigen venösen Duplexsonographie. Untersuchte Segmente, klinische Vortestwahrscheinlichkeit und gegebenenfalls Wiederholungs- oder Referenzdiagnostik müssen berücksichtigt werden.

Die umfassende vaskuläre Untersuchung wird unter Gefäßultraschall und Duplexsonographie behandelt.

Nieren und Gallenblase: häufige fokussierte Organfragen

Nicht jeder Notfallultraschall betrifft Schock oder Trauma. Bei passenden Symptomen können fokussierte Untersuchungen von Niere oder Gallenblase wichtige Informationen liefern.

  • Niere: insbesondere Harnstau, Nierengröße und bestimmte Steinzeichen.
  • Gallenblase: Konkremente, Wand, pericholezystische Flüssigkeit und Gallenwege im klinischen Kontext.

Ein einzelnes sonographisches Zeichen reicht dabei nicht für jede Diagnose. Beispielsweise ist eine verdickte Gallenblasenwand unspezifisch und eine Hydronephrose beweist nicht automatisch einen obstruierenden Ureterstein.

Welche Interventionen werden im Notfall ultraschallgeführt?

Ultraschall kann in der Akutmedizin nicht nur diagnostisch, sondern auch zur Echtzeitführung von Nadeln und Kathetern eingesetzt werden. ACEP beschreibt für vaskuläre Zugänge Vorteile hinsichtlich Zielgenauigkeit, weniger Punktionsversuchen und Komplikationsreduktion.

Typische Einsatzfelder sind:

  • peripherer venöser Zugang bei schwierigen Venenverhältnissen,
  • zentralvenöse Katheteranlage,
  • Punktion von Pleuraergüssen und anderen Flüssigkeitsräumen,
  • ausgewählte Gelenk- oder Weichteilpunktionen,
  • regionalanästhesiologische Nervenblockaden im geeigneten Setting.

Die Bildführung ersetzt weder Indikationsprüfung noch sterile Technik oder Kenntnisse möglicher Komplikationen. Insbesondere muss die Nadelspitze während kritischer Schritte sicher lokalisiert werden.

Die geplanten Detailseiten sind Ultraschallgestützter Gefäßzugang und ZVK sowie Regionalanästhesie und Nervenblock unter Ultraschall.

Welche Geräte und Sonden braucht Notfallsonographie?

Notfallultraschall stellt andere Anforderungen an Geräte als eine rein elektive Spezialdiagnostik. Neben Bildqualität zählen insbesondere schneller Start, einfache Preset-Auswahl, Mobilität, Akkubetrieb, Desinfizierbarkeit, schnelle Dokumentation und ausreichende Sondenausstattung.

SondeTypische Notfallanwendungen
Phased Arrayfokussiertes Herz, tiefe Thorax-/Abdominalfenster, FAST
Konvex / MicroconvexFAST, Abdomen, Aorta, Niere, Gallenblase, Lunge
LinearsondePleura, Gefäße, DVT, Gefäßzugang, MSK, Nerven

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom klinischen Scope ab. Ein Gerät mit nur einer Sonde kann einzelne POCUS-Anwendungen gut abdecken, ist aber nicht automatisch für alle notfallsonographischen Fragestellungen geeignet.

Die Geräteauswahl wird unter POCUS-Ultraschallgerät auswählen und Linear-, Konvex- und Phased-Array-Sonden vergleichen vertieft.

Dokumentation und Qualitätssicherung in der Notfallsonographie

Zeitdruck hebt die Dokumentationspflicht nicht auf. Eine fokussierte Untersuchung sollte nachvollziehbar festhalten, welche Frage gestellt, welcher Scope untersucht und welche Bildqualität erreicht wurde.

  • Indikation beziehungsweise Leitsymptom,
  • verwendetes fokussiertes Protokoll oder untersuchte Regionen,
  • repräsentative Bilder beziehungsweise Clips,
  • positive und relevante negative Befunde,
  • technisch nicht ausreichend darstellbare Regionen,
  • Interpretation im definierten Scope,
  • gegebenenfalls daraus resultierende weiterführende Diagnostik.

Das ACEP Clinical Ultrasound Accreditation Program verlangt unter anderem Qualifikationsstandards, einen verantwortlichen Ultraschallkoordinator, kontinuierliches Qualitätsmanagement, regelmäßige Gerätewartung und Reinigung sowie archivierte Bilder und dokumentierte Befunde im Krankenakt.

Allgemeine Regeln stehen unter Ultraschall-Befunddokumentation.

Welche Qualifikation verlangt Notfallsonographie?

Notfallsonographie ist keine Kompetenz, die allein durch Gerätebesitz oder einen einzelnen Kurs entsteht. Die aktuelle DEGUM-Stufe I verlangt neben geeigneter klinischer Tätigkeit und Kursnachweis auch dokumentierte praktische Erfahrung.

Für die Erstzertifizierung nennt die DEGUM aktuell:

  • mindestens 50 eigenverantwortlich durchgeführte, leitsymptomorientierte notfallsonographische Falldokumentationen,
  • mindestens 200 dokumentierte Einzelbefunde,
  • je 10 Fälle aus den Gruppen akute Dyspnoe, Hypotonie/Schock, Trauma und akutes Abdomen sowie 10 weitere Notfallfälle,
  • aktuelle Geräteausstattung und Dokumentationsmöglichkeiten,
  • Teilnahme an einem DEGUM-zertifizierten Grundkurs Notfallsonographie beziehungsweise anerkanntem inhaltsgleichen Kurs.

Diese Zahlen sind DEGUM-Zertifizierungsanforderungen für diesen konkreten Qualifikationsweg. Sie sind keine allgemeingültige internationale Mindestzahl für jede einzelne POCUS-Anwendung.

Die Ausbildungsseite steht unter POCUS lernen: Kurse, Hands-on und Kompetenz.

Typische Grenzen und Fehlinterpretationen in der Notfallsonographie

FehlinterpretationWarum problematisch?Präzisere Einordnung
„negativer FAST = keine relevante Verletzung“FAST sucht primär freie Flüssigkeit und Pneumothorax, nicht jede Organverletzungnegativen Befund nur auf untersuchten Scope beziehen
„B-Linien = kardiales Lungenödem“B-Linien sind nicht spezifischVerteilung, Pleura, Herzbefund und Klinik kombinieren
„fehlendes Lung Sliding = Pneumothorax“mehrere Ursachen können Sliding reduzieren oder aufhebenweitere LUS-Zeichen und klinischen Kontext einbeziehen
„großer rechter Ventrikel = Lungenembolie“Rechtsherzdilatation hat mehrere Ursacheninsbesondere im Arrest nicht isoliert diagnostisch verwenden
„keine Herzbewegung = Reanimation beenden“POCUS darf kein alleiniges Abbruchkriterium seinReanimationsentscheidung nach geltenden ALS-Kriterien treffen
„eine kleine V. cava = Hypovolämie“venöse Dimension wird von vielen hämodynamischen Faktoren beeinflusstnur als Teil einer Multi-Organ-Beurteilung verwenden
„AAA im Ultraschall = Ruptur bewiesen“Ultraschall erkennt Aneurysma besser als den RupturortKlinik und gegebenenfalls CTA/operative Abklärung integrieren
„fokussierter DVT-Scan = vollständiger Duplex“begrenzte Segmente bleiben außerhalb des ScopesProtokoll und gegebenenfalls Referenzdiagnostik dokumentieren
„schnelle Untersuchung braucht keine Dokumentation“Scope und Bildqualität werden sonst nicht nachvollziehbarfokussiert, aber strukturiert dokumentieren

Wann darf Notfallultraschall andere Bildgebung nicht verzögern?

Der größte Vorteil von POCUS ist die unmittelbare Verfügbarkeit. Dieser Vorteil wird zum Nachteil, wenn wiederholtes Scannen eine benötigte definitive Bildgebung oder Intervention verzögert.

CT, MRT, formale Sonographie, Echokardiographie oder andere Diagnostik können erforderlich sein, wenn:

  • das fokussierte Protokoll die klinische Frage nicht vollständig abdeckt,
  • Schallfenster technisch unzureichend sind,
  • ein negativer Scan nicht mit klinischem Risiko und Verlauf vereinbar ist,
  • tiefe, retroperitoneale, zentrale thorakale oder komplexe intraartikuläre Strukturen beurteilt werden müssen,
  • eine genaue anatomische Ausdehnung für Intervention oder Operation benötigt wird,
  • diskrepante beziehungsweise nicht schlüssige Befunde vorliegen.

Notfallsonographie sollte daher nicht als Konkurrenz zu CT oder formaler Bildgebung verstanden werden, sondern als zeitkritisches diagnostisches Werkzeug innerhalb eines abgestuften Versorgungspfads.

Die methodische Gegenüberstellung steht unter Ultraschall vs. MRT, CT und Röntgen.

FAQ zu Ultraschall in der Notfallmedizin

Was ist Notfallsonographie?

Notfallsonographie ist die symptomorientierte Ultraschalluntersuchung bei akuten oder zeitkritischen klinischen Fragen. Sie wird direkt in den diagnostischen und therapeutischen Ablauf integriert.

Ist Notfallsonographie dasselbe wie POCUS?

Viele notfallsonographische Untersuchungen sind POCUS. POCUS ist jedoch die fokussierte Ultraschallmethode am Ort der Versorgung und wird auch außerhalb der Notfallmedizin eingesetzt.

Was untersucht eFAST?

eFAST sucht nach freier Flüssigkeit in definierten abdominalen, perikardialen und pleuralen Regionen sowie nach sonographischen Pneumothoraxzeichen. Es ist kein vollständiger Organcheck.

Schließt ein negativer FAST innere Verletzungen aus?

Nein. Verletzungen ohne ausreichende freie Flüssigkeit, retroperitoneale Blutungen und verschiedene Organ- oder Darmverletzungen können trotz negativem FAST vorliegen.

Darf während einer Reanimation Ultraschall eingesetzt werden?

Ja, durch geübte Anwender und ohne zusätzliche beziehungsweise verlängerte Unterbrechungen der Thoraxkompression. Ultraschall kann behandelbare Ursachen unterstützen, darf aber nicht allein über den Abbruch einer Reanimation entscheiden.

Kann Notfallultraschall einen Schocktyp bestimmen?

Multi-Organ-Ultraschall kann wichtige Hinweise auf kardiale, distributive, hypovolämische oder obstruktive Mechanismen liefern. Eine definitive Einordnung sollte aber nicht aus einem einzelnen Ultraschallparameter abgeleitet werden.

Kann POCUS eine Lungenembolie beweisen?

Nein. Rechtsherzbefunde und DVT-Sonographie können die diagnostische Einschätzung unterstützen. Eine isolierte Rechtsventrikeldilatation beweist insbesondere während Herzstillstand keine Lungenembolie.

Welche Sonden braucht man in der Notaufnahme?

Typischerweise decken Phased-Array-, Konvex-/Microconvex- und Linearsonden zusammen Herz, FAST, Abdomen, Lunge, Gefäße und Interventionen ab. Der konkrete Bedarf richtet sich nach dem klinischen Anwendungsspektrum.

Müssen POCUS-Bilder gespeichert werden?

Professionelle Qualitätsprogramme sehen strukturierte Befunddokumentation und Bildarchivierung vor. ACEP verlangt dies beispielsweise im Clinical Ultrasound Accreditation Program ausdrücklich.

Wie viele Untersuchungen verlangt DEGUM Stufe I Notfallsonographie?

Aktuell werden für die Erstzertifizierung mindestens 50 eigenverantwortliche leitsymptomorientierte Falldokumentationen mit mindestens 200 dokumentierten Einzelbefunden verlangt. Die Fälle verteilen sich auf Dyspnoe, Hypotonie/Schock, Trauma, akutes Abdomen und weitere Anwendungen.

Quellen

Die fachlichen Aussagen wurden am 10. August 2026 anhand aktueller beziehungsweise weiterhin maßgeblicher Fachgesellschafts- und Leitlinienquellen geprüft.

Hinweis: Diese Seite dient der fachlichen Information über Ultraschall in der Notfallmedizin. Sie ersetzt keine individuelle Akutdiagnostik, keine Reanimations- oder Schocktherapie und keine patientenbezogene medizinische Entscheidung.