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Lungenultraschall und Thoraxsonographie: Pleura, Erguss, Konsolidierung und Pneumothorax

Lungenultraschall und Thoraxsonographie nutzen die besonderen akustischen Eigenschaften von Pleura, Thoraxwand und belüfteter Lunge. Anders als bei Leber oder Schilddrüse wird gesundes belüftetes Lungengewebe nicht direkt als Organparenchym abgebildet: An der Luft-Gewebe-Grenze wird Ultraschall fast vollständig reflektiert. Deshalb beruht die Untersuchung zu einem großen Teil auf Pleuralinie, Bewegungszeichen und charakteristischen Artefakten.

Gleichzeitig kann Thoraxsonographie echte Gewebestrukturen darstellen, wenn Luft verdrängt ist oder eine Läsion bis an die viszerale Pleura reicht. Dazu gehören beispielsweise Pleuraergüsse, pleuranahe Konsolidierungen, Teile der Thoraxwand und bestimmte periphere Raumforderungen. Die DEGUM beschreibt Thoraxsonographie deshalb als breitere Anwendung, die über fokussierten POCUS-Lungenultraschall hinausgeht.

Wichtig ist die diagnostische Grenze: Ein einzelnes Ultraschallzeichen ist selten krankheitsspezifisch. B-Linien können bei unterschiedlichen interstitiellen oder alveolären Veränderungen auftreten; fehlendes Lung Sliding hat mehrere Ursachen; und eine zentrale Pneumonie ohne Kontakt zur Pleura kann sonographisch unsichtbar bleiben.

Inhalt

Was ist Lungenultraschall?

Lungenultraschall untersucht die Oberfläche der Lunge, die Pleura und sonographische Artefakte, die durch die Wechselwirkung von Ultraschall mit Luft, Flüssigkeit und Gewebe entstehen. Wenn Lungengewebe seine normale Belüftung verliert und bis zur Pleura reicht, kann es zusätzlich direkt als gewebsähnliche Struktur sichtbar werden.

Die internationale Konsensusarbeit von Demi und Kollegen aus dem Jahr 2023 aktualisierte die früheren Empfehlungen zur Lungensonographie und betont insbesondere die Standardisierung von Geräteeinstellung, Untersuchungstechnik, Terminologie und Interpretation.

Die DEGUM führt als typische Anwendungsfelder unter anderem Pleuraerguss, Pneumonie, Dyspnoe mit B-Linien, Pneumothorax beziehungsweise thorakale Akutdiagnostik, Tumoren, Mediastinum und Interventionen auf.

Der Überblick über weitere Organanwendungen steht unter Ultraschall-Anwendungen.

Lungenultraschall vs. Thoraxsonographie: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden teilweise überlappend verwendet. Fachlich ist Thoraxsonographie der weitere Begriff. Sie kann neben der Lungenoberfläche und Pleura auch Thoraxwand, Rippen, Zwerchfell, periphere Lungenläsionen und ausgewählte mediastinale Strukturen einbeziehen.

BegriffTypischer Schwerpunkt
LungenultraschallPleuralinie, Lung Sliding, A-/B-Linien, Konsolidierungen, Pleuraerguss, Pneumothorax
ThoraxsonographieLungenultraschall plus Thoraxwand, Pleura, Zwerchfell, pleuranahe Tumoren, ausgewählte mediastinale und interventionelle Fragestellungen
POCUS-Lungenultraschallfokussierte bettseitige Untersuchung mit enger klinischer Akutfragestellung

Die DEGUM beschreibt den transthorakalen Ultraschall ausdrücklich als Untersuchung des Brustkorbs und intrathorakaler Organe mit Ausnahme des Herzens; die kardiale Sonographie gehört zur Echokardiographie.

Warum sieht man die gesunde Lunge im Ultraschall kaum direkt?

Belüftete Lunge enthält sehr viel Luft. An der Grenzfläche zwischen Weichteilgewebe und Luft wird ein großer Teil der Ultraschallenergie reflektiert. Die DEGUM beschreibt deshalb, dass Ultraschall an der gesunden Lunge nahezu vollständig reflektiert wird.

Das hat zwei Konsequenzen:

  • Normale Lunge: überwiegend indirekte Beurteilung über Pleuralinie, Bewegung und Artefakte.
  • Entlüftete oder flüssigkeitsangrenzende Lunge: direktes Gewebebild kann entstehen, wenn ein pathologischer Prozess die viszerale Pleura erreicht oder ein Erguss als Schallfenster dient.

Das erklärt gleichzeitig eine zentrale Grenze: Zentrale Veränderungen, die vollständig von belüftetem Lungengewebe umgeben sind, können transthorakal unsichtbar bleiben.

Die physikalischen Grundlagen stehen unter Funktionsweise und Physik des Ultraschalls.

Welche Sonde eignet sich für Lungen- und Thoraxultraschall?

Es gibt nicht die eine Lungensonde. Die Auswahl hängt davon ab, ob Pleura, oberflächliche Thoraxwand oder tiefere Strukturen untersucht werden.

ZielTypische SondeTechnischer Vorteil
Pleura / Thoraxwandhochfrequente Linearsondehohe Nahfeld- und Detailauflösung
allgemeiner LungenultraschallKonvex- oder Microconvexsondebreites Sichtfeld und ausreichende Eindringtiefe
tiefe Läsionen / enge InterkostalräumePhased Array oder kleinere sektorähnliche Sondekleine Auflagefläche und größere Tiefe
Pleuraerguss / ZwerchfellKonvexsondeÜbersicht über Thoraxbasis und Oberbauchorgane

Die DEGUM nennt für Thoraxwand und Pleura hochauflösende Linearsonden etwa im Bereich 5–10 MHz und für tiefere Lungenläsionen beziehungsweise Mediastinum sektorähnliche Sonden etwa im Bereich 2–5 MHz. Diese Bereiche sind Orientierungswerte und keine herstellerunabhängigen Pflichtfrequenzen.

Die Sondenauswahl wird unter Ultraschallsonde für die Lunge und Ultraschall-Frequenz auswählen vertieft.

Wie wird die Lunge systematisch untersucht?

Die Untersuchungsstrategie richtet sich nach Fragestellung und Setting. Eine vollständige Thoraxsonographie sollte nicht nur einen einzelnen Interkostalraum betrachten. Häufig werden ventrale, laterale und dorsale Thoraxregionen systematisch abgefahren.

  1. Thoraxregion festlegen: rechts/links und ventral/lateral/dorsal dokumentieren.
  2. Pleuralinie identifizieren: zwischen zwei Rippen als oberflächliche Referenz.
  3. Bewegung beurteilen: Lung Sliding und andere dynamische Zeichen beobachten.
  4. Artefakte analysieren: A-Linien, B-Linien und deren Verteilung beschreiben.
  5. Flüssigkeit suchen: insbesondere basal und in abhängigen Regionen.
  6. Konsolidierungen suchen: pleuranahe gewebsähnliche Areale und Luftbronchogramme beurteilen.
  7. Befund über mehrere Zonen integrieren: einzelne Zeichen nicht isoliert interpretieren.

Bei immobilen Patienten sind dorsale Regionen möglicherweise schwer erreichbar. Das muss als Einschränkung dokumentiert werden, weil pathologische Befunde lageabhängig bevorzugt in abhängigen Lungenabschnitten auftreten können.

Pleuralinie und Lung Sliding

Die Pleuralinie ist die zentrale anatomisch-akustische Referenz des Lungenultraschalls. Bei normaler Ventilation lässt sich häufig eine atemsynchrone Relativbewegung der pleuralen Grenzflächen erkennen – das sogenannte Lung Sliding.

Vorhandenes Lung Sliding spricht an genau dieser untersuchten Stelle gegen einen Pneumothorax zwischen parietaler und viszeraler Pleura. Umgekehrt ist fehlendes Sliding nicht spezifisch für Pneumothorax. Es kann beispielsweise bei Apnoe, ausgeprägter Pleuraadhäsion, fehlender Ventilation, großer Konsolidierung oder anderen lokalen Veränderungen fehlen.

Die Pleuralinie selbst kann glatt, unregelmäßig oder unterbrochen erscheinen. Solche Veränderungen sind beschreibende Befunde, aber nicht automatisch krankheitsspezifisch.

Was sind A-Linien?

A-Linien sind horizontale Wiederholungsartefakte unterhalb der Pleuralinie. Sie entstehen durch Reverberationen zwischen Schallkopf und stark reflektierender pleuraler Luftgrenze.

Ein A-Linienmuster kann bei normal belüfteter Lunge auftreten, ist aber nicht gleichbedeutend mit „Lunge gesund“. Auch bestimmte pathologische Situationen können A-Linien zeigen. Entscheidend sind Verteilung, Lung Sliding und klinischer Kontext.

Was sind B-Linien – und was bedeuten sie?

B-Linien sind vertikale echogene Artefakte, die von der Pleuralinie ausgehen und sich bis in die Tiefe des Bildes erstrecken können. Sie entstehen an komplexen Luft-Flüssigkeits-Gewebe-Grenzen der subpleuralen Lunge.

B-Linien sind keine direkt sichtbaren „Wassersäulen“ und nicht krankheitsspezifisch. Eine erhöhte Zahl oder konfluierende B-Linien können unter anderem bei interstitieller Flüssigkeitszunahme, entzündlichen Veränderungen, Fibrose oder anderen Störungen der peripheren Lungenbelüftung auftreten.

Für die Interpretation sind wichtig:

  • Anzahl beziehungsweise Dichte,
  • fokal oder diffus,
  • ein- oder beidseitige Verteilung,
  • homogen oder fleckförmig,
  • Pleuralinienmorphologie,
  • begleitende Konsolidierungen oder Ergüsse,
  • klinischer und kardialer Kontext.

Die internationale Konsensusarbeit 2023 unterstreicht die Notwendigkeit standardisierter Terminologie und Untersuchungstechnik, weil B-Linien stark von Geräteeinstellung, Sonde und Scanprotokoll beeinflusst werden können.

Pleuraerguss: eine klassische Stärke der Thoraxsonographie

Pleuraergüsse sind eine der etabliertesten Anwendungen der Thoraxsonographie. Flüssigkeit bildet ein gutes akustisches Fenster und kann insbesondere in abhängigen Thoraxregionen dargestellt werden. Die DEGUM bezeichnet Thoraxsonographie bei klinisch häufigen Fragestellungen wie Pleuraerguss als besonders geeignete Methode.

Sonographisch können je nach Befund unter anderem beurteilt werden:

  • Lokalisation und Ausdehnung,
  • frei bewegliche oder septierte Flüssigkeit,
  • echofreier, echogener oder komplexer Inhalt,
  • Kompressionsatelektase beziehungsweise angrenzende konsolidierte Lunge,
  • Pleuraverdickungen oder Raumforderungen,
  • geeignetes Fenster für eine interventionelle Punktion.

Die Echogenität allein bestimmt nicht sicher die Ursache des Ergusses. Transsudat, Exsudat, Blut, Eiter oder maligner Erguss benötigen je nach Fragestellung klinische, laborchemische und gegebenenfalls zytologische beziehungsweise mikrobiologische Einordnung.

Konsolidierungen und Pneumonie: Wann wird Lungengewebe sichtbar?

Wenn alveoläre Luft durch Flüssigkeit, Zellen oder anderes Material verdrängt wird und der Prozess bis zur viszeralen Pleura reicht, kann das betroffene Lungenareal gewebsähnlich erscheinen. Häufig wird dafür der Begriff tissue-like sign beziehungsweise Hepatisation verwendet.

Innerhalb einer Konsolidierung können echogene Bronchogramme sichtbar sein. Dynamische Luftbronchogramme können bei geeigneter Fragestellung zusätzliche Hinweise liefern.

Eine sonographische Konsolidierung ist jedoch keine automatische Pneumonie-Diagnose. Atelektase, Infarkt, Tumor und andere Ursachen können ähnliche gewebsartige Muster erzeugen. Zudem bleiben zentrale pneumonische Herde ohne pleuralen Kontakt möglicherweise unsichtbar.

Die DEGUM führt Pneumonie ausdrücklich als häufige thoraxsonographische Anwendung, verlangt aber gleichzeitig Differentialdiagnostik und Methodenvergleich.

Wie wird ein Pneumothorax sonographisch beurteilt?

Beim Pneumothorax liegt Luft zwischen parietaler und viszeraler Pleura. Dadurch gehen an der betroffenen Stelle typische Zeichen der pleuralen Kontaktfläche verloren.

  • Lung Sliding: kann fehlen, ist allein aber nicht spezifisch.
  • B-Linien: echte pleurale B-Linien sprechen an ihrer Entstehungsstelle gegen einen Pneumothorax.
  • Lung Pulse: kann bei fehlender Ventilation auftreten und spricht an dieser Stelle gegen einen freien Pneumothorax.
  • Lung Point: Übergang zwischen anliegender und abgehobener Pleura; hochspezifisches Zeichen, aber nicht bei jedem Pneumothorax nachweisbar.

Die Untersuchung muss mehrere Thoraxzonen einbeziehen und zur Lagerung des Patienten passen, weil intrapleuraler Luftanteil lageabhängig verteilt sein kann.

Eine neue deutsche S2k-Leitlinie „Thoraxsonographie in der Akutmedizin“ ist bei DEGUM/AWMF derzeit in Entwicklung und laut DEGUM für 2028 geplant. Sie wird deshalb auf dieser Seite nicht als bereits publizierte Leitlinie zitiert.

Interstitielle und alveoläre Muster: Warum Verteilung wichtiger ist als ein Einzelzeichen

Diffuse oder fokale B-Linienmuster können verschiedene pathophysiologische Ursachen widerspiegeln. Für die diagnostische Einordnung sind daher Verteilung und Begleitbefunde entscheidend.

MusterMögliche EinordnungWichtige Grenze
diffuse bilaterale B-Linienunter anderem interstitielle Flüssigkeitszunahmenicht spezifisch für kardiales Lungenödem
fleckförmige B-Linien mit unregelmäßiger Pleurakann zu entzündlichen/interstitiellen Veränderungen passenmehrere Erkrankungen erzeugen ähnliche Muster
fokale B-Linien neben Konsolidierunglokale Belüftungsstörung möglichklinischer Kontext entscheidend
A-Linien mit Slidinggut belüftete periphere Lunge an dieser Stelleschließt zentrale Erkrankung nicht aus

Die Kombination mit Echokardiographie, Vitalparametern, Labor und gegebenenfalls Röntgen oder CT kann besonders bei Dyspnoe erforderlich sein.

Kann Ultraschall Lungentumoren darstellen?

Nur wenn eine Läsion sonographisch erreichbar ist. Periphere Tumoren, die bis an die Pleura reichen oder über einen Erguss ein Schallfenster erhalten, können dargestellt werden. Zentrale Lungenläsionen hinter belüftetem Lungengewebe bleiben transthorakal dagegen häufig unsichtbar.

Thoraxsonographie eignet sich deshalb nicht als allgemeines Verfahren zum Ausschluss eines Lungenkarzinoms. Für Tumordiagnostik und Staging sind insbesondere CT, PET/CT, Bronchoskopie, endobronchialer Ultraschall und histologische Verfahren je nach Fragestellung relevant.

Bei sonographisch zugänglichen peripheren Läsionen kann Ultraschall zur gezielten Biopsieführung verwendet werden. Das wird im geplanten Bereich Ultraschallgestützte Punktion und Biopsie vertieft.

Was kann man am Zwerchfell untersuchen?

Thoraxsonographie kann die Zwerchfellbewegung und – mit geeigneter Technik – auch die Muskeldicke beziehungsweise Dickenänderung untersuchen. Leber und Milz dienen dabei häufig als akustische Fenster.

Die Interpretation ist jedoch atemmanöver-, lagerungs- und technikabhängig. Zwerchfellparameter sollten nicht isoliert als direkte Aussage über die gesamte respiratorische Funktion verstanden werden.

Welche Interventionen können sonographisch geführt werden?

Ultraschall kann bei geeigneter Zugänglichkeit den Einstichweg zu Pleuraergüssen oder peripheren Thoraxläsionen in Echtzeit darstellen. Dadurch lassen sich Zielstruktur, Tiefe, Nachbarorgane und potenziell gefährdete Gefäße vor beziehungsweise während einer Intervention beurteilen.

Das bedeutet nicht, dass jede Thoraxpunktion automatisch durch Ultraschall sicher wird. Gerinnung, Atembewegung, Zielgröße, Lage, Hygienebedingungen und Erfahrung des Untersuchers bleiben relevant.

Welche Rolle spielt Kontrastmittelsonographie am Thorax?

Die DEGUM beschreibt kontrastverstärkten Ultraschall als mögliche Spezialanwendung bei sonographisch zugänglichen thorakalen Läsionen. Die Perfusion peripherer Konsolidierungen oder Tumoren kann zusätzliche Informationen liefern; vor einer Biopsie können vitale Gewebeanteile besser abgegrenzt werden.

CEUS ist jedoch keine Standardkomponente jedes Lungenultraschalls. Es benötigt eine eigene Indikation, kontrastmittelspezifische Kompetenz und geeignete Gerätesoftware.

Die Methode wird auf der geplanten Seite Kontrastverstärkter Ultraschall (CEUS) separat behandelt.

Wie unterscheidet sich Thoraxsonographie vom POCUS-Lungenultraschall?

POCUS-Lungenultraschall ist eine fokussierte Anwendung innerhalb des größeren thoraxsonographischen Spektrums. In Notaufnahme, Intensivmedizin oder Reanimation werden häufig wenige akut relevante Fragen priorisiert.

MerkmalPOCUS-LungenultraschallUmfassendere Thoraxsonographie
Fragestellungakut und fokussiertorgan-/thoraxbezogen und breiter
Umfangdefinierte Zonen nach ProtokollPleura, Lunge, Thoraxwand, Zwerchfell und weitere zugängliche Strukturen
Häufige ZielePneumothorax, Erguss, B-Linien, Konsolidierungzusätzlich periphere Raumforderungen, Pleuraerkrankungen, Interventionen, Spezialdiagnostik
Dokumentationfokussierter Scopebreitere thoraxbezogene Befunddokumentation

Die fokussierte Seite steht unter POCUS-Lungenultraschall. Die Verwendung in akuten Versorgungssituationen wird auf der geplanten Seite Ultraschall in der Notfallmedizin weitergeführt.

Wann sind Röntgen oder CT erforderlich?

Lungenultraschall hat den Vorteil der unmittelbaren Verfügbarkeit und kommt ohne ionisierende Strahlung aus. Er kann aber nur die sonographisch erreichbare periphere Lunge und thorakale Strukturen untersuchen.

FragestellungStärke des UltraschallsTypische Grenze
Pleuraergusssehr gute Flüssigkeitsdarstellung und InterventionsplanungUrsache oft nicht allein sonographisch bestimmbar
periphere Konsolidierungdynamische Darstellung an der Pleurazentrale Herde ohne Pleurakontakt unsichtbar
Pneumothoraxbettseitige dynamische Pleura-ZeichenAusdehnung und komplexe Thoraxpathologie können weitere Bildgebung erfordern
diffuse LungenerkrankungB-Linien und Pleura als dynamische MusterCT bietet wesentlich detailliertere anatomische Charakterisierung
Tumorperiphere pleuranahe Läsion und Biopsieführungkein vollständiges Lungen- oder Mediastinalstaging

Die allgemeine Methodenabgrenzung steht unter Ultraschall vs. MRT, CT und Röntgen.

Welche Sicherheitsaspekte gelten speziell beim Lungenultraschall?

Diagnostischer Ultraschall verwendet keine ionisierende Strahlung, ist aber nicht gleichbedeutend mit „beliebige Schallleistung ohne Sicherheitsbeachtung“. Für Lungenultraschall existiert eine eigene AIUM-Sicherheitsempfehlung, weil die luftgefüllte Lunge besondere mechanische Bioeffekte aufweisen kann.

Das AIUM empfiehlt für Neugeborene einen speziellen LUS-Preset mit einem angezeigten Mechanical Index von MI ≤ 0,3. Bei Kindern und Erwachsenen können bei größerer Thoraxwanddicke höhere angezeigte MI-Werte für ausreichende Bildgebung erforderlich sein; grundsätzlich soll jedoch das ALARA-Prinzip eingehalten werden.

Diese neonatal spezifische Grenze darf nicht pauschal als identischer Grenzwert für jede erwachsene Thoraxsonographie ausgegeben werden. Geräte-Presets, Schallkopf, Frequenz, Tiefe und Patientenkonstitution beeinflussen die tatsächliche Exposition.

Allgemeine Sicherheitsgrundlagen stehen unter Sicherheit und Grenzen diagnostischen Ultraschalls.

Grenzen und typische Fehlinterpretationen

FehlinterpretationWarum problematisch?Präzisere Einordnung
„B-Linien = Lungenödem“B-Linien sind nicht krankheitsspezifischVerteilung, Pleura, Konsolidierungen und klinischen Kontext integrieren
„fehlendes Sliding = Pneumothorax“Sliding kann aus mehreren Gründen fehlenweitere Pneumothoraxzeichen und klinischen Kontext prüfen
„A-Linien = gesunde Lunge“A-Linien können auch bei Pathologie auftretenmit Sliding, Verteilung und Fragestellung interpretieren
„keine Konsolidierung = keine Pneumonie“zentrale Läsionen ohne Pleurakontakt können unsichtbar bleibennegativen Befund auf sonographisch untersuchten Scope begrenzen
„Ergussmorphologie zeigt sicher die Ursache“verschiedene Ergussarten können ähnlich aussehenklinische, laborchemische und gegebenenfalls Punktatdiagnostik ergänzen
„Lungenultraschall ersetzt CT bei Tumorverdacht“nur pleuranahe Läsionen sind transthorakal erreichbarQuerschnittsbildgebung und Histologie nach Fragestellung einsetzen
„ein Scanpunkt repräsentiert die ganze Lunge“Befunde sind regional verteiltstandardisierte Mehrzonen-Untersuchung verwenden
„mehr Bildfilter = besser“bestimmte Artefakte können durch Harmonic/Compound-Verfahren verändert werdenLUS-Preset und artefaktgerechte Bildoptimierung verwenden

Artefakte sind beim Lungenultraschall nicht nur störend, sondern diagnostischer Bestandteil. Ihre Entstehung und technischen Abhängigkeiten werden unter Ultraschallartefakte vertieft.

Wie sollte Lungen- und Thoraxultraschall dokumentiert werden?

Die Dokumentation sollte erkennen lassen, welche Thoraxregionen tatsächlich untersucht wurden. Eine nicht dokumentierte dorsale Region darf bei einer eingeschränkten Untersuchung nicht stillschweigend als unauffällig gelten.

  • klinische Fragestellung und Untersuchungsumfang,
  • rechts/links sowie ventrale, laterale und dorsale Zonen beziehungsweise verwendetes Protokoll,
  • Sondenart und relevante Geräteeinstellung bei quantitativen oder vergleichenden Untersuchungen,
  • Pleuralinienbefund und Lung Sliding,
  • A-/B-Linien-Verteilung,
  • Konsolidierungen und dynamische Zeichen,
  • Pleuraerguss mit Lokalisation und Morphologie,
  • Pneumothoraxzeichen, soweit Fragestellung,
  • Thoraxwand-/Zwerchfellbefunde bei entsprechender Untersuchung,
  • technisch nicht beurteilbare Zonen,
  • klinisch relevante Zusammenfassung ohne diagnostische Überinterpretation einzelner Artefakte.

Die internationale LUS-Konsensusarbeit 2023 empfiehlt für reproduzierbare Untersuchungen ausdrücklich die Angabe von Scanprotokoll, Sonde, Scanner beziehungsweise Preset und relevanten technischen Parametern. Allgemeine Dokumentationsregeln stehen unter Ultraschall-Befunddokumentation.

FAQ zu Lungenultraschall und Thoraxsonographie

Kann man die Lunge mit Ultraschall überhaupt sehen?

Gesunde belüftete Lunge wird überwiegend indirekt über Pleura und Artefakte beurteilt. Entlüftete pleuranahe Lunge, Pleuraergüsse und andere thorakale Strukturen können dagegen direkt sonographisch sichtbar werden.

Was bedeuten B-Linien?

B-Linien sind vertikale Lungenultraschallartefakte. Ihre vermehrte oder konfluierende Darstellung kann zu verschiedenen interstitiellen oder alveolären Veränderungen passen. Sie sind nicht spezifisch für kardiales Lungenödem.

Kann Lungenultraschall eine Pneumonie erkennen?

Pleuranahe Konsolidierungen können sonographisch sehr gut sichtbar sein. Eine zentrale Pneumonie ohne Kontakt zur Pleura kann dagegen verborgen bleiben. Ein negativer Lungenultraschall schließt daher nicht jede Pneumonie aus.

Kann man einen Pneumothorax mit Ultraschall erkennen?

Ja. Lung Sliding, B-Linien, Lung Pulse und Lung Point sind wichtige Zeichen. Fehlendes Sliding allein beweist einen Pneumothorax jedoch nicht.

Ist Ultraschall gut für Pleuraergüsse?

Ja. Pleuraergüsse sind eine klassische Stärke der Thoraxsonographie. Ultraschall kann Lokalisation, Ausdehnung und innere Struktur darstellen und bei entsprechender Indikation eine Punktion führen.

Welche Sonde nimmt man für Lungenultraschall?

Je nach Ziel werden Linear-, Konvex-/Microconvex- oder Phased-Array-Sonden verwendet. Eine Linearsonde eignet sich besonders für Pleura und Thoraxwand, während Konvex- oder sektorähnliche Sonden mehr Tiefe und Übersicht bieten.

Was ist der Unterschied zwischen Thoraxsonographie und POCUS-Lungenultraschall?

POCUS beantwortet fokussierte klinische Fragen mit definierten Scanprotokollen. Thoraxsonographie kann darüber hinaus Thoraxwand, Zwerchfell, periphere Raumforderungen, Pleuraerkrankungen und interventionelle Fragestellungen umfassen.

Kann Lungenultraschall ein CT ersetzen?

Nicht generell. Ultraschall ist stark bei Pleura, pleuranahen Befunden und dynamischen bettseitigen Fragestellungen. CT bildet die gesamte Lunge und tiefer liegende thorakale Strukturen wesentlich umfassender anatomisch ab.

Gibt es besondere Sicherheitsregeln beim Lungenultraschall?

Ja. Das AIUM weist auf spezielle mechanische Bioeffekte an der Lunge hin und empfiehlt insbesondere für Neugeborene ein LUS-Sicherheitspreset mit MI ≤ 0,3. Für alle Untersuchungen gilt das ALARA-Prinzip.

Quellen

Die fachlichen Aussagen wurden am 10. August 2026 anhand aktueller beziehungsweise weiterhin maßgeblicher Fachgesellschafts- und Konsensusquellen geprüft.

Hinweis: Diese Seite dient der fachlichen Information über Lungenultraschall und Thoraxsonographie. Sie ersetzt keine individuelle Diagnostik, keine Akutbeurteilung bei Atemnot oder Thoraxschmerz und keine patientenbezogene Therapieentscheidung.