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POCUS bei Reanimation und Intensivmedizin: Herz, Lunge, Schock und Verlauf

Point-of-Care-Ultraschall (POCUS) kann während einer Reanimation und auf der Intensivstation sehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Während des Kreislaufstillstands ist Ultraschall eine streng nachgeordnete Zusatzuntersuchung: Er darf hochwertige Thoraxkompressionen nicht verzögern und soll nur durch entsprechend geschulte Anwender eingesetzt werden. Auf der Intensivstation kann Critical Care Ultrasonography (CCUS) dagegen deutlich breiter zur Beurteilung von Herz, Lunge, Kreislauf und Verlauf eingesetzt werden.

Die aktuelle Evidenz unterscheidet diese Situationen deutlich. Die 2025er Adult-ALS-Leitlinie des Resuscitation Council UK erlaubt intra-arrest POCUS zur Suche nach ausgewählten behandelbaren Ursachen, fordert aber minimale Unterbrechungen und warnt ausdrücklich vor Überinterpretationen. Die SCCM-Leitlinie zur Adult Critical Care Ultrasonography bewertet den Nutzen bei Kreislaufstillstand nur mit sehr niedriger Evidenz, empfiehlt CCUS dagegen bei septischem Schock, akuter Dyspnoe beziehungsweise respiratorischem Versagen, gezieltem Volumenmanagement und kardiogenem Schock.

Die wichtigste Regel für beide Bereiche lautet daher: POCUS beantwortet definierte klinische Fragen. Ein einzelnes Ultraschallzeichen ersetzt weder Reanimationsalgorithmus noch hämodynamische Gesamteinschätzung.

Inhalt

Reanimation und Intensivmedizin: zwei unterschiedliche POCUS-Situationen

POCUS bei laufender kardiopulmonaler Reanimation und Critical Care Ultrasound auf einer Intensivstation sollten nicht als dasselbe Anwendungsszenario behandelt werden.

KriteriumWährend CPRAuf Intensivstation
Zeitfensterextrem begrenztmeist planbarer
PrioritätCPR und ALS-Maßnahmen haben VorrangPOCUS kann Teil der laufenden Diagnostik und Steuerung sein
Fragestellungwenige akut behandelbare Ursachen und fokussierte HerzaktivitätHerz, Lunge, Schock, Atemversagen, Volumenmanagement und Verlauf
Evidenzfür Managementnutzen sehr niedrigfür mehrere CCUS-Anwendungen günstiger
Wiederholungnur innerhalb des Reanimationsablaufs ohne zusätzliche Pausenserielle Untersuchungen häufig sinnvoll
Umfangmaximal fokussiertje nach Fragestellung Multi-Organ-POCUS möglich

Diese Trennung verhindert einen häufigen Denkfehler: Nur weil POCUS auf der Intensivstation breit eingesetzt werden kann, darf während eines Kreislaufstillstands nicht dasselbe Untersuchungsprogramm durchgeführt werden.

Grundlagen zum Konzept stehen unter Was ist POCUS?.

Welche Rolle hat POCUS während der Reanimation?

Die Adult-ALS-Leitlinie 2025 des Resuscitation Council UK formuliert die Grenzen sehr klar:

  • Intra-arrest POCUS soll nur von geschulten Anwendern durchgeführt werden.
  • POCUS darf keine zusätzlichen oder verlängerten Unterbrechungen der Thoraxkompressionen verursachen.
  • Ultraschall kann bei der Suche nach behandelbaren Ursachen wie Herztamponade und Spannungspneumothorax helfen.
  • Eine isolierte rechtsventrikuläre Dilatation darf während des Kreislaufstillstands nicht als Diagnose einer Lungenembolie verwendet werden.
  • Die sonographisch beurteilte Myokardkontraktilität darf nicht als alleiniger Grund für die Beendigung der Reanimation verwendet werden.

Damit ist die Funktion von POCUS eindeutig: ergänzende Information innerhalb des ALS-Ablaufs. Ultraschall ist kein eigener Reanimationsalgorithmus.

Die SCCM kommt in ihrer 2024 fokussierten, 2025 publizierten Leitlinienaktualisierung zu einer ähnlich vorsichtigen Bewertung. Für erwachsene Patienten mit Kreislaufstillstand war die Evidenz zu schwach, um CCUS gegenüber der Standardversorgung eindeutig zu bevorzugen. Die Empfehlung ist deshalb konditional und die Evidenzqualität „very low“.

Welche behandelbaren Ursachen können sonographisch auffallen?

POCUS kann während der Reanimation ausgewählte Ursachen beziehungsweise Befundmuster sichtbar machen, die in die Suche nach reversiblen Ursachen einfließen. Besonders relevant sind:

  • Perikardiale Flüssigkeit mit möglicher Tamponade-Konstellation,
  • Pneumothoraxzeichen im passenden klinischen Kontext,
  • grobe kardiale Aktivität oder Stillstand als Zusatzinformation,
  • deutliche Rechtsherzbelastung als unspezifischer Hinweis,
  • weitere fokussierte Befunde abhängig von Ursache, Situation und vorhandener Expertise.

Die Ultraschallbefunde dürfen nicht automatisch mit einer definitiven Ursache gleichgesetzt werden. Eine sichtbare Perikardflüssigkeit beweist beispielsweise nicht allein eine hämodynamisch relevante Tamponade, und Rechtsherzdilatation kann unterschiedliche Ursachen haben.

Warum sind Kompressionspausen der entscheidende Sicherheitsfaktor?

Jede zusätzliche Ultraschalluntersuchung während CPR konkurriert mit der Zeit für hochwertige Thoraxkompressionen. Deshalb fordert die aktuelle ALS-Leitlinie ausdrücklich, dass POCUS keine zusätzlichen oder verlängerten Unterbrechungen verursacht.

Für die organisatorische Umsetzung bedeutet das vor allem: Ultraschall muss in einen trainierten Teamablauf integriert sein. Geräteposition, Sondenwahl, Fragestellung und Rollen sollten nicht erst während der Reanimation improvisiert werden. Die genaue Durchführung richtet sich nach lokaler SOP, Ausbildungsstand und Reanimationsalgorithmus.

Ein technisch perfektes Ultraschallbild ist während CPR wertlos, wenn es nur durch eine verlängerte Kompressionspause zustande kommt. Bildqualität muss der Reanimationspriorität untergeordnet bleiben.

Kardiale Aktivität im POCUS: Warum sie keine alleinige Prognoseentscheidung erlaubt

Während einer Reanimation kann Ultraschall mechanische Myokardbewegung darstellen, die im EKG nicht unmittelbar erkennbar ist. Daraus darf jedoch keine isolierte Prognoseentscheidung abgeleitet werden.

Die 2025er ALS-Leitlinie untersagt ausdrücklich, die sonographisch eingeschätzte Myokardkontraktilität als alleiniges Kriterium zur Beendigung einer Reanimation zu verwenden.

Das ist fachlich wichtig, weil die visuelle Unterscheidung zwischen minimaler Bewegung, organisierter Kontraktion und bewegungslosem Myokard untersucherabhängig sein kann. Außerdem wird die Prognose eines Kreislaufstillstands durch zahlreiche weitere Faktoren bestimmt.

Rechtsherzdilatation: Warum sie keine Lungenembolie beweist

Eine dilatierte rechte Herzkammer kann bei Lungenembolie auftreten. Während eines Kreislaufstillstands ist dieser Befund jedoch nicht spezifisch genug, um daraus allein eine Emboliediagnose abzuleiten.

Der Resuscitation Council UK weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass rechtsventrikuläre Dilatation in Isolation während Cardiac Arrest nicht zur Diagnose einer Lungenembolie verwendet werden soll.

Der Befund muss mit klinischem Kontext, Ereignisablauf, weiteren Ultraschallzeichen und – sofern verfügbar und sinnvoll – zusätzlicher Diagnostik zusammengeführt werden.

Perikarderguss und mögliche Tamponade

Perikardiale Flüssigkeit gehört zu den Befunden, die POCUS während einer Reanimation sichtbar machen kann. Die ALS-Leitlinie nennt Herztamponade ausdrücklich als potenziell behandelbare Ursache, bei deren Identifikation POCUS unterstützen kann.

Die Interpretation verlangt dennoch Vorsicht. Nicht jeder Perikarderguss ist hämodynamisch relevant. Während CPR verändern Thoraxkompressionen, Beatmung, intrathorakaler Druck und fehlender spontaner Kreislauf die üblichen echokardiographischen Zeichen.

Die sinnvolle POCUS-Aussage lautet daher nicht automatisch „Tamponade“, sondern beispielsweise: perikardiale Flüssigkeit vorhanden, klinische Relevanz im Reanimationskontext zu bewerten.

Spannungspneumothorax: Was kann Lungen-POCUS beitragen?

Der Spannungspneumothorax ist eine weitere behandelbare Ursache, die in der 2025er ALS-Leitlinie ausdrücklich als mögliche POCUS-Zielstruktur genannt wird.

Thorakaler POCUS kann unter anderem Lung Sliding, B-Linien, Lung Pulse und gegebenenfalls einen Lung Point beurteilen. Die Interpretation muss aber regional erfolgen:

  • Vorhandenes Lung Sliding spricht an der untersuchten Stelle gegen Pneumothorax.
  • Fehlendes Sliding allein beweist keinen Pneumothorax.
  • Ein normaler Befund an einer Stelle schließt einen Pneumothorax an anderer Stelle nicht aus.
  • Subkutanes Emphysem kann die Untersuchung erheblich erschweren.

Die vollständige Zeichenlehre steht unter POCUS-Lungenultraschall.

POCUS auf der Intensivstation: deutlich breiter als während CPR

Auf der Intensivstation wird Point-of-Care- beziehungsweise Critical Care Ultrasonography nicht nur für unmittelbar lebensbedrohliche Einzelbefunde eingesetzt. Die SCCM-Leitlinie nennt fünf zentrale klinische Szenarien: Kreislaufstillstand, Sepsis, akute Dyspnoe beziehungsweise respiratorisches Versagen, Volumenmanagement und kardiogener Schock.

Für septischen Schock, akute Dyspnoe beziehungsweise respiratorisches Versagen, gezieltes Volumenmanagement und kardiogenen Schock spricht die Leitlinie konditionale Empfehlungen zugunsten von CCUS aus. Die Evidenzqualität ist je nach Fragestellung niedrig beziehungsweise sehr niedrig. Das verhindert überzogene Schlussfolgerungen: CCUS ist ein wichtiges Werkzeug, aber keine universelle Lösung jeder hämodynamischen Frage.

Die ESICM ordnet Ultraschall zudem als grundlegende intensivmedizinische Kompetenz ein. Die 2021 publizierten Consensus-Empfehlungen beschreiben ein „head-to-toe“-Spektrum für Intensivmediziner; neuere ESICM-Konsensusdokumente behandeln unter anderem quantitative Lungenultraschallverfahren.

POCUS bei Schock: Herz, Lunge und Kreislauf gemeinsam betrachten

Schock ist physiologisch heterogen. Ein einzelner Parameter reicht selten aus, um Ursache und Therapieverlauf vollständig zu erfassen. POCUS kann deshalb mehrere Ebenen miteinander kombinieren:

  • globale linksventrikuläre Funktion,
  • rechte Herzkammer und Rechtsherzbelastung,
  • Perikard,
  • Lungenbelüftung und B-Linien-Muster,
  • Pleuraergüsse,
  • Vena cava inferior als ein möglicher Zusatzparameter,
  • ausgewählte venöse und arterielle Dopplerparameter,
  • weitere Organbefunde abhängig von klinischer Fragestellung.

Die 2025 gelistete ESICM-Leitlinie zu Kreislaufschock und hämodynamischem Monitoring unterstreicht die Bedeutung einer strukturierten hämodynamischen Beurteilung. POCUS sollte dabei nicht als Sammlung isolierter Messwerte verstanden werden, sondern als Bestandteil einer wiederholbaren physiologischen Gesamteinschätzung.

Die Akutlogik für undifferenzierten Schock wird unter POCUS in Notaufnahme und Schockraum beschrieben.

Welche Rolle hat POCUS bei Sepsis und septischem Schock?

Die SCCM-Leitlinie zur Adult Critical Care Ultrasonography empfiehlt CCUS konditional für erwachsene Patienten mit septischem Schock. Als mögliche Vorteile nennt sie insbesondere die schnelle Erkennung alternativer Diagnosen und die Unterstützung der Flüssigkeitssteuerung.

Die Leitlinie weist zugleich auf heterogene Studienprotokolle und unterschiedliche Zeitpunkte der Ultraschallanwendung hin. Der Nutzen ist daher nicht als Beweis zu verstehen, dass ein einzelnes festes POCUS-Protokoll für jeden septischen Patienten überlegen ist.

Für die aktuelle 2026er Surviving-Sepsis-Campaign-Leitlinie für Erwachsene ist eine wichtige Quellenabgrenzung nötig: Im Abschnitt zum kardialen Output-Monitoring wird ausdrücklich angegeben, dass Critical Care Ultrasound dort nicht evaluiert wurde. Ultraschallspezifische Aussagen auf dieser Seite stützen sich deshalb auf die SCCM-CCUS-Leitlinie und nicht auf eine vermeintliche POCUS-Empfehlung der 2026er Erwachsenen-Sepsisleitlinie.

Kann POCUS den Volumenstatus bestimmen?

POCUS liefert keinen einzelnen universellen „Volumenstatus-Wert“. Besonders die isolierte Interpretation der Vena cava inferior ist anfällig für Fehlinterpretationen. Größe und Atemvariabilität hängen unter anderem von Beatmung, Atemarbeit, intrathorakalem Druck, Rechtsherzfunktion und weiteren Faktoren ab.

Die SCCM empfiehlt CCUS konditional für ein gezieltes Volumenmanagement bei akut kranken Erwachsenen und verweist darauf, dass Ultraschall besonders dann wertvoll sein kann, wenn Volumenreaktivität fraglich ist.

In der Praxis ist deshalb ein Multi-Parameter-Ansatz sinnvoller als die Frage „IVC voll oder leer?“: Herzfunktion, Lungenbefund, venöse Zeichen, Perfusionsparameter, Beatmungssituation und gegebenenfalls dynamische Tests werden zusammen betrachtet.

POCUS bei akuter Dyspnoe und respiratorischem Versagen

Für erwachsene Patienten mit akuter Dyspnoe beziehungsweise akutem respiratorischem Versagen empfiehlt die SCCM CCUS konditional zur Unterstützung von Diagnose und Management.

Auf Intensivstation kann Lungen-POCUS unter anderem folgende Muster seriell erfassen:

  • Pleuralinie und Lung Sliding,
  • A- und B-Linien-Muster,
  • Pleuraergüsse,
  • pleuraständige Konsolidierungen,
  • Pneumothoraxzeichen,
  • Veränderungen der Lungenbelüftung in standardisierten Scanregionen.

Die ESICM-ESPNIC-Konsensusarbeit von 2025 zeigt, dass quantitative Lungenultraschallmethoden inzwischen als eigenes intensivmedizinisches Standardisierungsthema behandelt werden. Für Verlaufskontrollen bedeutet das: Ein standardisiertes Scanprotokoll ist wichtiger als eine bloße subjektive Aussage wie „mehr“ oder „weniger B-Linien“.

Die sonographischen Zeichen werden unter POCUS-Lungenultraschall ausführlich erklärt.

Warum sind serielle POCUS-Untersuchungen auf Intensivstation besonders wertvoll?

Ein großer Vorteil von POCUS liegt in der Wiederholbarkeit direkt am Patienten. Auf Intensivstation ist deshalb häufig nicht nur der Einzelbefund interessant, sondern dessen Veränderung im Zeitverlauf.

Serielle Untersuchungen können beispielsweise Veränderungen zeigen bei:

  • globaler Herzfunktion,
  • Rechtsherzbelastung,
  • Lungenbelüftung und B-Linien-Mustern,
  • Pleuraergüssen,
  • Konsolidierungen,
  • ausgewählten hämodynamischen Parametern.

Für verlässliche Verlaufsaussagen müssen die Untersuchungsbedingungen möglichst vergleichbar sein. Sondenwahl, Patientenposition, Schallfenster, Geräteeinstellungen und verwendetes Scoring sollten dokumentiert beziehungsweise standardisiert werden.

Ein Unterschied zwischen zwei Bildern ist nur dann klinisch sinnvoll interpretierbar, wenn ausgeschlossen werden kann, dass er hauptsächlich durch eine andere Untersuchungstechnik entstanden ist.

Welche Ultraschallgeräte und Sonden sind für Reanimation und Intensivmedizin sinnvoll?

Für beide Einsatzbereiche ist ein sehr schneller, robuster Workflow entscheidend. Der benötigte Geräteumfang hängt vom lokalen POCUS-Scope ab.

AnwendungTypische SondeWichtige Funktion
fokussierter HerzultraschallPhased Arraykleines Schallfenster, ausreichende Tiefe und Bildrate
Lungen-POCUSLinear, Konvex oder Phased ArrayPleuralinie beziehungsweise tiefe Lungen-/Ergussdarstellung
Abdomen / freie FlüssigkeitKonvexTiefendarstellung und breites Sichtfeld
Gefäßzugang / oberflächliche GefäßeLinearhohe Nahfeldauflösung
Multi-Organ-POCUSmehrere Sonden oder geeignetes Multi-Array-Systemschneller Wechsel zwischen Organregionen

Im Reanimationsumfeld zählt eine kurze Zeit bis zum verwertbaren Bild besonders stark. Auf Intensivstation kommen zusätzlich Dopplerfunktionen, Messpakete, Bildarchivierung, Geräteverfügbarkeit für serielle Untersuchungen und die Integration in Dokumentationssysteme hinzu.

Die Beschaffungslogik steht unter POCUS-Ultraschallgerät kaufen.

Dokumentation und Qualitätssicherung

Auch zeitkritischer POCUS sollte nachvollziehbar dokumentiert werden. In der Reanimation kann die unmittelbare Versorgung Vorrang haben; die Untersuchung muss danach jedoch in den medizinischen Kontext eingeordnet und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Für intensivmedizinische POCUS-Programme sind insbesondere sinnvoll:

  • definierte klinische Indikationen und Untersuchungsprotokolle,
  • nachvollziehbare Qualifikation der Anwender,
  • Speicherung repräsentativer Bilder beziehungsweise Loops,
  • Dokumentation von Fragestellung, Befund und Beurteilbarkeit,
  • regelmäßige Bild- und Fallreviews,
  • Geräte- und Sonden-QA,
  • Hygiene- und Aufbereitungsprozesse,
  • standardisierte serielle Untersuchungen, wenn Verlauf bewertet werden soll.

Die ESICM-Empfehlungen zu grundlegenden Ultraschallkompetenzen und die SCCM-CCUS-Leitlinie machen deutlich, dass Critical Care Ultrasound eine strukturierte Kompetenz und kein rein technisches Gerätefeature ist.

Allgemeine Grundsätze stehen unter Ultraschall-Befunddokumentation und Hygiene beim Ultraschall. Ausbildung und Kompetenzaufbau werden unter POCUS lernen: Kurse, Training und Kompetenz vertieft.

Typische Fehlinterpretationen bei Reanimations- und Intensiv-POCUS

FehlinterpretationWarum problematisch?Präzisere Einordnung
„POCUS zeigt keine Bewegung – CPR beenden“Myokardkontraktilität darf nicht allein über Reanimationsende entscheidengültige Reanimationskriterien und Gesamtbild anwenden
„RV groß – also Lungenembolie“RV-Dilatation ist während Cardiac Arrest unspezifischnur als Teil eines Gesamtbilds interpretieren
„Perikarderguss – also Tamponade“Flüssigkeit allein beweist keine hämodynamische WirkungKontext und weitere Zeichen berücksichtigen
„IVC klein – Patient braucht Volumen“IVC hängt von Beatmung, Druckverhältnissen und Rechtsherzfunktion abMulti-Parameter-Ansatz verwenden
„Viele B-Linien – kardiales Ödem“B-Linien sind nicht ätiologiespezifischVerteilung, Herz, Pleura und Kontext kombinieren
„POCUS während CPR muss vollständig sein“verlängerte Pausen gefährden hochwertige CPRnur akut relevante fokussierte Frage verfolgen
„Ein serieller Unterschied ist klinische Veränderung“Sonde, Fenster, Position oder Einstellungen können abweichenVerlauf standardisiert untersuchen
„POCUS ersetzt invasives Monitoring immer“Methoden liefern unterschiedliche Informationen und können sich ergänzenMonitoring an klinische Frage und Patientensituation anpassen

FAQ zu POCUS bei Reanimation und Intensivmedizin

Darf POCUS während einer Reanimation eingesetzt werden?

Ja, aber nur fokussiert und durch geschulte Anwender. Die aktuelle Adult-ALS-Leitlinie fordert ausdrücklich, dass POCUS keine zusätzlichen oder verlängerten Unterbrechungen der Thoraxkompressionen verursacht.

Welche Ursachen kann POCUS während CPR erkennen?

POCUS kann unter anderem Hinweise auf Perikarderguss beziehungsweise mögliche Tamponade und Spannungspneumothorax liefern. Weitere Herzbefunde können ergänzende Informationen geben, dürfen aber nicht isoliert diagnostisch überinterpretiert werden.

Kann fehlende Herzbewegung im Ultraschall die Reanimation beenden?

Nein. Die 2025er ALS-Leitlinie verlangt ausdrücklich, Myokardkontraktilität nicht als alleiniges Kriterium für die Beendigung einer Reanimation zu verwenden.

Beweist ein vergrößerter rechter Ventrikel eine Lungenembolie?

Nein. Gerade während eines Kreislaufstillstands darf eine isolierte rechtsventrikuläre Dilatation laut aktueller ALS-Leitlinie nicht als diagnostischer Beweis für eine Lungenembolie verwendet werden.

Wofür wird POCUS auf Intensivstation eingesetzt?

Typische Anwendungen sind fokussierte Herz- und Lungenbeurteilung, septischer und kardiogener Schock, akute Dyspnoe beziehungsweise Atemversagen, Volumenmanagement, Gefäßzugänge und serielle Verlaufskontrollen.

Empfiehlt die SCCM Ultraschall bei septischem Schock?

Ja. Die fokussierte SCCM-Leitlinienaktualisierung zur Adult Critical Care Ultrasonography spricht eine konditionale Empfehlung für CCUS bei erwachsenen Patienten mit septischem Schock aus; die Evidenzqualität wird als niedrig bewertet.

Kann POCUS die Flüssigkeitstherapie steuern?

POCUS kann das gezielte Volumenmanagement unterstützen, sollte aber nicht auf einen einzelnen Parameter wie die Vena cava inferior reduziert werden. Die SCCM empfiehlt CCUS konditional für gezieltes Volumenmanagement bei akut kranken Erwachsenen.

Ist POCUS bei akuter Dyspnoe auf Intensivstation sinnvoll?

Ja. Die SCCM empfiehlt CCUS konditional zur Unterstützung von Diagnose und Management bei akuter Dyspnoe beziehungsweise akutem respiratorischem Versagen. Herz- und Lungenbefunde werden dabei häufig kombiniert.

Ersetzt POCUS invasives hämodynamisches Monitoring?

Nicht generell. POCUS kann viele wichtige hämodynamische Informationen nichtinvasiv und wiederholt liefern. Je nach Schweregrad und Fragestellung können invasive Monitoringverfahren zusätzliche oder kontinuierliche Informationen liefern und POCUS ergänzen.

Warum sind serielle POCUS-Untersuchungen sinnvoll?

Weil Intensivpatienten sich dynamisch verändern. Standardisierte Wiederholungen können Veränderungen von Herzfunktion, Lungenbelüftung, Ergüssen oder anderen Befundmustern zeigen. Voraussetzung sind vergleichbare Untersuchungsbedingungen.

Den vollständigen POCUS-Themenüberblick bietet POCUS: Point-of-Care-Ultraschall. Das traumabezogene Protokoll ist unter FAST und eFAST beschrieben.

Quellen

Die Aussagen zu Reanimation und Intensivmedizin wurden am 9. August 2026 anhand aktueller Leitlinien und Fachgesellschaftsquellen geprüft.

Hinweis: Diese Seite dient der fachlichen Information über POCUS in Reanimation und Intensivmedizin. Sie ersetzt keine ALS-/Intensivmedizinausbildung, keine lokale SOP und keine individuelle diagnostische oder therapeutische Entscheidung.