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Fokussierte Echokardiographie (FoCUS): Ansichten, Fragestellungen und Grenzen

Focused Cardiac Ultrasound (FoCUS) ist eine standardisierte, aber bewusst begrenzte Herzultraschalluntersuchung am Point of Care. Sie beantwortet konkrete klinische Fragen – etwa nach globaler systolischer Funktion, Perikarderguss, deutlicher Rechtsherzbelastung oder groben Zeichen einer Volumen-/Druckbelastung – und wird unmittelbar in den klinischen Kontext integriert.

FoCUS ist keine verkürzte vollständige Echokardiographie. Wenn die Fragestellung Klappenquantifizierung, diastolische Funktion, regionale Wandbewegungsanalyse, komplexe Hämodynamik oder strukturelle Herzerkrankung umfasst, ist eine umfassende Echokardiographie erforderlich.

Die vier grundlegenden FoCUS-Ansichten

Thoraxschema mit den Sondenpositionen für PLAX, PSAX, apikalen Vierkammerblick und subkostalen Blick.
Schematische Orientierung der vier grundlegenden FoCUS-Schallfenster.
AnsichtTypischer InformationsgewinnHäufige Einschränkung
Parasternal lange Achse (PLAX)LV/RV-Anteile, Mitral-/Aortenregion, Perikard, globale Funktionfalsche Achse kann Kammerdimensionen verzerren
Parasternal kurze Achse (PSAX)LV-Form und globale Kontraktilität auf verschiedenen Ebenen, RV-EindruckEbene muss anatomisch eingeordnet werden
Apikaler Vierkammerblick (A4C)beide Vorhöfe/Ventrikel, Größenrelation, grobe FunktionForeshortening verfälscht LV-Größe und Funktion
Subkostaler VierkammerblickHerz und Perikard über Leberfenster; oft bei liegenden Patienten zugänglichAdipositas, Luft und Verbände können limitieren

Viele FoCUS-Protokolle ergänzen die V. cava inferior. Die IVC ist jedoch kein eigenständiger „Volumenmesser“; Atemmechanik, Beatmung, Rechtsherzfunktion und intraabdomineller Druck beeinflussen ihren Durchmesser und ihre Dynamik.

Parasternal lange Achse

Die PLAX dient als robuste Orientierungsansicht. Beurteilt werden können unter anderem globale LV-Kontraktilität, grobe Kammerdimensionen, Perikardflüssigkeit und die Beweglichkeit sichtbarer Klappenstrukturen. Eine qualitative Auffälligkeit ist ein Hinweis zur weiteren Abklärung, keine vollständige Klappendiagnostik.

Parasternal kurze Achse

Durch Rotation aus der langen Achse entsteht die kurze Achse. Je nach Schnittebene werden Aortenklappe, Mitralklappe oder Papillarmuskelebene dargestellt. Für eine grobe LV-Funktionsbeurteilung ist besonders wichtig, nicht aus einem einzigen Querschnitt auf das gesamte Herz zu schließen.

Apikaler Vierkammerblick

Der apikale Vierkammerblick ermöglicht den direkten Vergleich beider Ventrikel und Vorhöfe. Eine ausgeprägte RV-Dilatation oder deutlich reduzierte globale LV-Funktion kann auffallen. Eine Rechtsherzvergrößerung beweist jedoch keine Lungenembolie; sie hat mehrere mögliche Ursachen.

Subkostaler Blick und Perikard

Die subkostale Ansicht nutzt die Leber als akustisches Fenster und ist bei kritisch Kranken häufig hilfreich. Perikardflüssigkeit kann sichtbar werden; die hämodynamische Bedeutung eines Ergusses erfordert jedoch die Integration von Kreislauf, Atemphase und echokardiographischen Zeichen.

Welche Fragen FoCUS sinnvoll beantworten kann

  • Ist die globale LV-Systolik grob normal, deutlich reduziert oder hyperdynamisch?
  • Besteht ein relevanter Perikarderguss beziehungsweise Verdacht auf Tamponadephysiologie?
  • Ist der rechte Ventrikel im Verhältnis zum linken deutlich auffällig?
  • Gibt es grobe Zeichen einer ausgeprägten Volumen- oder Druckbelastung?
  • Passt der Herzbefund zu einem Multi-Organ-POCUS bei Schock oder Dyspnoe?
  • Wie verändert sich ein fokussierter Befund seriell unter klinischem Verlauf?

Die SCCM-Leitlinie 2025 unterstützt Critical Care Ultrasound bei septischem Schock, akuter Dyspnoe/respiratorischem Versagen, gezieltem Volumenmanagement und kardiogenem Schock konditional; die Evidenzqualität ist je nach Szenario niedrig bis sehr niedrig.

Wo FoCUS endet

FoCUS kann hinweisen auf …Für eine vollständige Beurteilung braucht es häufig …
deutlich reduzierte globale LV-Funktionquantitative LV-Funktion, regionale Wandbewegung, Kontrast oder vollständiges TTE
grobe RV-Belastungvollständige RV-Messungen, Druckabschätzung, Ursachenabklärung
Perikardergussvollständige Tamponadebeurteilung und klinische Integration
auffällige Klappevollständige Farb-/Spektraldoppler-Quantifizierung
auffällige VolumensituationMehrparameter-Hämodynamik statt isolierter IVC-Messung

Die vollständige Methode steht unter Echokardiographie; die POCUS-Abgrenzung unter POCUS vs. formale Sonographie.

Technik und Schallkopf

Für die meisten kardialen Schallfenster ist eine Phased-Array-Sonde wegen kleiner Kontaktfläche und ausreichender Eindringtiefe geeignet. Tiefe, Fokus und Gain werden so eingestellt, dass Perikard und gesamte relevante Herzanatomie sichtbar sind. Clips sind für Funktionsbeurteilungen meist aussagekräftiger als Standbilder.

Bei der Marker-Konvention muss die lokale Echo-/POCUS-Konvention beachtet werden. ACEP weist ausdrücklich darauf hin, dass in Echokardiographie und allgemeinem Ultraschall unterschiedliche Bildschirmkonventionen verwendet werden können.

Typische FoCUS-Fehler

  • nur eine einzige Ansicht verwenden und daraus eine globale Aussage ableiten,
  • apikales Foreshortening als echte kleine Kammer interpretieren,
  • Perikard- mit Pleuraerguss verwechseln,
  • RV-Dilatation als Beweis einer Lungenembolie interpretieren,
  • IVC-Durchmesser allein zur Flüssigkeitsentscheidung verwenden,
  • geringe Bildqualität als negativen Befund dokumentieren,
  • FoCUS trotz komplexer Klappen-/Strukturfrage nicht in vollständige Echokardiographie eskalieren.

Training, Dokumentation und lokale SOP

FoCUS erfordert strukturierte Ausbildung, Bildakquisition, Interpretation und Qualitätssicherung. Die lokale SOP sollte mindestens Indikationen, Standardansichten, Dokumentation, Eskalationskriterien zur vollständigen Echokardiographie und Verantwortlichkeiten festlegen.

FAQ

Wie viele Ansichten gehören zu FoCUS?

Ein verbreiteter Kern umfasst PLAX, PSAX, A4C und subkostalen Vierkammerblick; häufig wird die IVC ergänzt. Protokolle und Ausbildungsstandards können abweichen.

Kann FoCUS eine Herzinsuffizienz diagnostizieren?

FoCUS kann deutliche Funktionsauffälligkeiten und Begleitzeichen zeigen, ersetzt aber keine vollständige diagnostische Einordnung einer Herzinsuffizienz.

Ist FoCUS bei Reanimation sinnvoll?

Es kann reversible Ursachen oder kardiale Aktivität ergänzend beurteilen, darf aber Reanimationsmaßnahmen nicht unnötig unterbrechen. Für die Anwendung gelten aktuelle Reanimations- und lokale SOP-Vorgaben.

Quellen

Fachliche Prüfung: 10. August 2026. Die Quellen dienen der methodischen und medizinischen Einordnung; lokale SOPs, Herstellerangaben und fachspezifische Leitlinien bleiben für die konkrete Anwendung maßgeblich.